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Neues Zuhause: Hund ans Alleinbleiben heranführen

  • 20. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. März

Der Einzug eines neuen Hundes ist etwas ganz Besonderes. Gerade, wenn man sich gegen einen Welpen und für einen Hund aus zweiter Hand oder von der Straße entscheidet.


Denn dann gibt man oft einem Hund ein Zuhause, der kein unbeschriebenes Blatt ist. Das sind Welpen zwar meist auch nicht, aber da kann man sich dieser Illusion doch etwas leichter hingeben als bei einem Hund, der bereits eine längere Vorgeschichte hat.


Und neben all der Freude und Aufregung über das neue Familienmitglied kann es auch die ein oder andere Unsicherheit geben, wie man Dinge am besten handhabt. Das betrifft auch das Thema Alleinbleiben.


Ab wann kann man den Hund alleine lassen? Wie lange sollte man ihn alleine lassen? Und wie gestaltet man das am besten?


Gerade wenn der Hund aus dem Tierheim, dem Tierschutz oder aus zweiter Hand kommt, sind diese Fragen nachvollziehbar. Du kennst die Geschichte deines Hundes nicht vollständig, weißt nicht, welche Erfahrungen er bereits gesammelt hat und wie er auf bestimmte Dinge reagiert.

Deswegen hat für Hunde, die in ein neues Zuhause ziehen, eine Sache immer Priorität: Erst kennenlernen und ankommen lassen. Der Rest folgt später.




Warum dein Tierschutzhund erst ankommen darf


Neues Zuhause. Neue Bedingungen.

Ganz gleich, woher du deinen Hund hast: Mit dem Einzug beginnt für ihn ein ganz neuer Abschnitt.


  • Fremde Umgebung

  • Neue Geräusche und Gerüche

  • Veränderter Tagesablauf und ungewohnte Routinen

  • Neue Menschen und eventuell tierische Mitbewohner

  • Neue Erwartungen, die an den Hund gestellt werden


All diese neuen Reize müssen erstmal verarbeitet werden. Und das verlangt von den Hunden eine enorme Anpassungsleistung. Deshalb darf die erste Zeit ruhig dafür reserviert werden.



Wie du deinen Hund aktiv unterstützen kannst


Am Anfang geht es darum, dass ihr euch kennenlernt und eine Bindung zueinander aufbaut. Dabei gibt es einige Sachen, auf die du bewusst achten kannst.


Sicherheit und Vorhersehbarkeit im Alltag

Feste Abläufe und Strukturen geben deinem Hund Orientierung. Erwartungssicherheit kann Überforderung entgegenwirken.


Stärkung der Selbstwirksamkeit

Dein Hund darf Entscheidungen treffen, seine Grenzen werden respektiert und er darf sein Leben aktiv mitgestalten.


Eine klare Wohlfühlzone

Ein Platz, der wirklich seiner ist, an den er sich zurückziehen kann und an dem keine negativen Sachen passieren.


Bewusstes Kennenlernen der Bedürfnisse

Jeder Hund ist individuell und hat verschiedene Vorlieben, Eigenarten und Abneigungen. Was braucht dein Hund, um glücklich zu sein?


Verlässliche Betreuungsmöglichkeiten

Solltest du in der ersten Zeit Termine und co wahrnehmen müssen, sorge für eine Betreuung, damit dein Hund keine Überforderung durch zu frühes Alleinbleiben erfährt.


Diese Punkte helfen dir nicht nur bei der Eingewöhnung, sondern sie sind auch wichtige Grundsteine für ein späteres entspanntes Alleinbleiben.



Konnte der Hund schon entspannt alleine bleiben?


Je nachdem, wie viel von der Vorgeschichte des Hundes bekannt ist, hast du vielleicht schon Informationen darüber, ob er in seinem früheren Zuhause entspannt alleine bleiben konnte oder ob er ein Problem mit Trennungsstress hat.


Wichtig: Hunde lernen stark kontextbezogen. Auch seine Fähigkeit, alleine zu bleiben, kann nicht kontext- und ortsunabhängig betrachtet werden. Ein neues Zuhause kann das entspannte Alleinbleiben vorübergehend oder auch dauerhaft beeinflussen.


Nicht jeder Hund, der als ein Hund ohne Trennungsstress vermittelt wird, kann tatsächlich alleine bleiben. Auf die Möglichkeit, dass der Hund damit Probleme hat, sollte man also vorbereitet sein.




Alleinbleiben ist kein isoliertes Thema


Entspanntes Alleinsein hängt immer auch eng mit dem gesamten körperlichen und emotionalen Zustand deines Hundes zusammen.


Viele Hunde aus dem Tierschutz bringen ein kleines oder manchmal auch größeres Päckchen mit. Dinge, die sich direkt oder indirekt auf das Alleinbleiben auswirken können:


  • Unsicherheit und Ängste

  • Geräuschsensibilität

  • Dauerhaft erhöhtes Erregungsniveau

  • Unzureichend erfüllte Bedürfnisse

  • Körperliche Beschwerden

  • Belastende Vorerfahrungen


All diese Dinge können einen Einfluss haben und sollten deswegen berücksichtigt werden.



Der Testlauf: Tierschutzhund alleine lassen


Sobald dein Hund sich etwas eingelebt hat und du ihn besser kennst und einschätzen kannst, kannst du einen Testlauf starten.


Dabei gilt ein wichtiger Grundsatz: Beobachten statt vermuten. Eine Kamera ist unerlässlich, um herauszufinden, wie dein Hund das Alleinsein meistert.

Achte dabei genau auf die Körpersprache und das Verhalten deines Hundes. Bleibe beim Testlauf im näheren Umfeld und brich die Situation frühzeitig ab, wenn es nicht klappt und warte nicht erst darauf, dass dein Hund deutlich eskaliert.


Verliefen erste kürzere Abwesenheiten unproblematisch, kannst du die Dauer weiter ausbauen.


Auch dann lohnt es sich, weiterhin über die Kamera ein Auge auf deinen Hund zu haben und zwischendurch immer wieder zu überprüfen, dass dein Hund deine Abwesenheit gut bewältigen kann.




Und wenn es (noch) nicht gut klappt?


Wenn dein Hund Symptome von Trennungsstress gezeigt hat, dann ist das zunächst einmal ein ganz normales Verhalten und kein „Fehlverhalten“ deines Hundes.


Gerade bei Hunden mit unklarer Vorgeschichte ist Trennungsstress kein seltenes Thema. Und es bedeutet nicht direkt, dass du etwas falsch gemacht hast. Deinem Hund fehlen im Moment aber noch Strategien, um mit deiner Abwesenheit umzugehen.


In solchen Fällen ist es sinnvoll, gezielt ins Alleinbleibtraining einzusteigen, denn Trennungsstress verschwindet nicht einfach mit der Zeit.


Parallel dazu sollte dein Hund weiterhin möglichst nicht alleine gelassen werden. Denn jede Trennung, unter der er leidet, festigt seinen Trennungsstress und erschwert Trainingserfolge.




Jeder Hund bringt sein eigenes Tempo mit


Es gibt keinen festen Zeitpunkt, an dem ein Hund alleine bleiben können muss. Es gibt nur euren individuellen gemeinsamen Weg.


Manche Tierschutzhunde finden nach einer Eingewöhnung schnell in den neuen Alltag hinein und können problemlos alleine gelassen werden. Andere Hunde brauchen dafür mehr Unterstützung und Zeit. Nicht alles muss sofort funktionieren.


Und auch, wenn sich gerade zeigt, dass dein Hund mit Trennungen aktuell nur schwer umgehen kann, heißt das nicht, dass das so bleiben muss. Trennungsstress ist trainierbar und dein Hund kann lernen, neue Strategien zu entwickeln.


 
 
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